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Chora

Chora

Kreuzung in der Dorfmitte




Überblick

Chora

...wichtige Straßenkreuzung im Ort...



Chora liegt an den südlichen Ausläufern des Ambelos-Gebirges (griechische Bezeichnung: Karvounis) und im Nordosten der gleichnamigen fruchtbaren Ebene, die sich im Westen bis Myli und Ireon ausdehnt und im Osten vom Gebiet um Pythagorion begrenzt wird. Der südliche Teil der Ebene von Chora grenzt an den Ormos Pythagoriu. Diese fruchtbare Landschaft war schon im Altertum weit über die Grenzen der Insel Samos bekannt. Im Nordosten von Chora befindet sich die Ortschaft Mytilinii und im Nordwesten das schöne und sehenswerte Kloster Timiou Stavrou. Die Straße führt von hier bis zur kleinen Ortschaft Mavratzeoi, die direkt unterhalb des Ambelos-Gebirges liegt.

Chora

Impressionen


Chora besitzt seit der letzten Volkszählung aus dem Jahr 2011 zusammen mit dem Küstenort Potokaki 1340 Einwohner und ist damit schon eine größere Siedlung im ehemaligen Gemeindegebiet von Pythagorion, das etwa 3 Kilometer von Chora entfernt liegt. Eine durch den Ort verlaufende Hauptstaße verbindet Pythagorion mit der Inselhauptstadt Samos. In der Ortsmitte gibt es eine wichtige Kreuzung, wo die nach Westen abführende Straße die Orte Koumaradei und Pyrgos und im weiteren Verlauf Platanos und Karlovassi erreicht.


Geschichte

Chora

...kleine, schmale Gasse...


Chora ist der Name einiger griechischer Orte - bezeichnet wird damit meistens der Hauptort der Insel (z.B. Chora auf der Insel Patmos) oder der Hauptort eines Gebietes. Chora auf der Insel Samos war seit dem Mittelalter die Haupstadt der Insel Samos und von 1850 -1854 war hier die Residenz der Statthalter der Hegemonie nebst Verwaltung der Insel angesiedelt. Seit Dezember 1832 war Samos ein der "Hohen Pforte" gegenüber tributpflichtiges Fürstentum mit eigener Verwaltung. Mehrere zeitgenössische Überlieferungen aus dem 17. Jahrhundert berichten übereinstimmend von Chora als größtem der 16 bis 20 Dörfer auf der Insel Samos. Die Lage landeinwärts des antiken Hafens (in Tigani) am Fuß einer Hügelkette war bei der Standortwahl ein Schlüsselelement, da die Ortschaft vom Meer aus nicht sichtbar war [2].


Ioseph Georgarines schreibt hierzu:

Chora

Panagia Kirche


Der ehemalige Erzbischof von Samos, Iōsēph Geōrgarinēs, berichtet in seiner Schrift aus dem Jahr 1677, dass man den Ort damals als Megale Chora bezeichnete.

Er führt weiter aus:

..."Gegenüber der Altstadt (er meint den Ort Tigani), etwa eine Meile entfernt, in Richtung Westen, liegt die neue Stadt, die jetzt unter dem Namen Megale Chora, oder die "große Stadt" bekannt ist, da sie größer als der Rest der Insel ist. Hier haben die wichtigsten Männer der Insel ihre Residenz, i. e. der Erzbischof, der Caddee (gemeint ist der Kadi - türkisch: Richter), mit drei oder vier türkischen Familien, der Aga (militärischer Befehlshaber), mit zehn oder ein Dutzend anderer Türken, die ihn in der Ausführung seiner Arbeit unterstützen".


Chora

Impressionen


"Das Büro des Kadis (Gericht) ist auf das Gesetz ausgerichtet und die Tätigkeit des Aga umfaßt die Durchführung derselben und um alle Steuern überhaupt zu erheben. Es gibt viele, die ihrerseits der Gerichtsbarkeit des Erzbischofs vertrauen, vor allem die Angehörigen der Kirche. Wenn aber jemand mit dem Urteil des Erzbischofs unzufrieden ist, kann er den Kadi ansprechen. Es gibt sehr wenige Türken auf dieser Insel, nur die soeben erwähnten Personen. Sie besaßen eine Moschee, aber die Venezianer hatten dieses Gebäude beschossen, als sie das erste Mal mit ihrer Flotte auf die Insel kamen, um sie ihrem Gehorsam zu unterwerfen und sie zu verpflichten, einen jährlichen Tribut zu zahlen. Aber als die erste Zahlung der Samier fällig war oder vor der Generalversammlung (der Venezianer) zu erscheinen, flohen sie in die Berge...." [1].


Francesco Morosini (1618 - 1694)

Flottenkommandant und Doge - Bildquelle: Wikipedia - gemeinfrei


Dieser Teil der Geschichte (Angriff und Inbesitznahme der Insel durch die Venezianer) muss in dem Zeitraum zwischen 1665 - 1669 geschehen sein und beinhaltet die Kämpfe des venezianischen Flottenkommandanten Francesco Morosini in der östlichen Ägäis. Francesco Morosini wurde am 26. Februar 1618 in Venedig geboren. Morosini wurde bekannt als Führer der venezianischen Truppen im Kampf mit dem Osmanischen Reich um die endgültige Vorherrschaft im östlichen Mittelmeer. Er war der 108. Doge von Venedig. Morosini regierte von 1688 bis 1694 auf dem Höhepunkt des Großen Türkenkrieges (auch 7. Venezianischer Türkenkrieg genannt). Er starb am 6. Januar 1694 vor Nauplia (Griechenland). Seine letzte Botschaft an den Senat lautete, dass er es bedaure, nicht mehr für Venedig getan zu haben. Morosinis Leichnam wurde nach Venedig gebracht und in der Kirche Santo Stefano beigesetzt. 1702 berichtete Joseph Pitton de Tournefort, dass "Cora" seit einem Überfall der Venezianer unter Francesco Morosini aus 600 überwiegend verlassenen Häusern bestand [3].


Chora heute

Chora

Potokaki-Strand


Seit 1997 gehörte Chora zur Gemeinde Pythagorion. Seit der Verwaltungsreform 2010 hat Chora den Status eines Stadtbezirks im Gemeindebezirk Pythagorio der Gemeinde Samos. Der Flughafen von Samos befindet sich auf dem Gebiet von Chora. Er trägt den Namen „Aristarchos von Samos“ (auch Samos International Airport „Aristarchos of Samos“), benannt nach dem antiken Astronom und Mathematiker Aristarchos von Samos. Auch der lange Potokaki-Strand, einer der längsten Strände der Ägäis, gehört zum Gebiet von Chora. Der Strand wurde wiederholt mit der Blauen Flagge ausgezeichnet. Auch das Heiligtum der Göttin Hera befindet sich in der Ebene von Chora.


Chora

Panagia Kirche - Glockenturm


Die Bevölkerung lebt teilweise von der Landwirtschaft oder arbeitet in den touristischen Einrichtungen in Pythagorion. In Chora gibt es mehrere Tavernen, wo man gut essen kann und auch verschiedene Geschäfte sind im Ort zu finden. Auch einen Taxistand gibt es im Ort, dessen Fahrer die schnelle Verbindung des Nordens der Insel mit dem südlichen Bereich sicherstellen. Bei einer Fahrt durch den Ort von Mytilinii nach Pythagorion nimmt man die Größe des Dorfes gar nicht richtig war. Chora ist kein Straßendorf, was ein Spaziergang durch den Ort dokumentiert. Im Ortsinneren befindet sich die Panagia Kirche mit schönem Glockenturm, wenn wir weitergehen, stoßen wir auf viele kleine Gassen, von denen einige bergan führen, da ein Teil des Ortes an den Abhang gebaut wurde.


Chora

Impressionen


Viele Häuser in diesem Teil von Chora stehen leer. Wie in Myli so auch in Chora sieht man an einigen Gebäuden fremdes Material- hier handelt es sich um Spolien (Säulenreste, Kapitelle, u.s.w) aus dem archäologischen Bereich von Ireon, Pythagorion und von Fundstücken aus der Ebene von Chora. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war es gang und gebe, sich an den archäologischen Stätten dieses Materials zu bedienen und anderen Zwecken zuzuführen.


Kloster Timiou Stavrou

Kloster Timiou Stavrou

Ansicht des Klosters von der Straße oberhalb in Richtung des Dorfes Mavratzei


Der Weg nach Mavratzei führt über Chora in Richtung Koumaradei bis zur Abzweigung Mavratzeoi und Kloster Timiou Stavrou- hier biegt man rechts ab und die Straße führt jetzt in Windungen hinauf zum wirklich sehenswerten Kloster (Kloster des Heiligen Kreuzes), das ich an anderer Stelle beschrieben habe. Es wurde im Jahr 1582 vom Mönch Nelios gegründet. Die heute zu besichtigende Klosterkirche mit ihrer wertvollen Ikonostase stammt....

Weitere Informationen zum Kloster Timiou Stavrou auf der Insel Samos finden Sie hier....!


Mavratzeoi

Mavratzei

Kirche Agios Georgios (St. Georg)


Mavratzei liegt im Süden von Samos oberhalb der Ebene von Chora. Der Ort liegt in einer Höhe von 350 m an den südlichen Ausläufern des Ambelos-Gebirges (griechische Bezeichnung: Karvounis). Mavratzeoi ist ein kleiner Ort mit einer schönen Kirche, die dem heiligen Georg geweiht ist. Weiterhin existieren zwei Geschäfte und ein Kafenion, das nur noch zeitweise in Betrieb ist. Bekannt ist der Ort für seine Töpferei-Produkte und...

Weitere Informationen zum Töpferdorf Mavratzei auf der Insel Samos finden Sie hier....!


Kloster Timiou Stavrou


Quellenverzeichnis:


1.: A description of the present state of Samos, Nicaria, Patmos, and Mount Athos von Iōsēph Geōrgarinēs und Henry Denton, 14. Juli 1677 - Google Books, abgerufen zuletzt am 15.06.2014!

2.: Informationen zur Geschichte des Dorfes Chora aus der Wikipedia, zuletzt abgerufen am 24.10.2014!

3.: Joseph Pitton de Tournefort: LETTRE X. Description des Isles de Samos de Patmos de Fourni & de Skyros. In: Relation d'un voyage du Levant: fait par ordre du Roi contenant. Paris 1717 (Online). S.104


Fotos aus Chora




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